Peter Fuld

Ein Mann mit Empathie, Herz und Weitblick. Eine außergewöhnliche Persönlichkeit.

Peter Fuld wurde am 12. Februar 1921 als jüngster Sohn des jüdischen Unternehmers Harry Fuld und dessen Ehefrau Ida Maria, einer Christin, in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater war Kaufmann und Visionär mit tiefem Gefühl für innovative Produkte und entsprechende Absatzmärkte. 

1899 gründete Harry Fuld die Deutsche-Privat-Telefongesellschaft H. Fuld & Co (die Keimzelle des heutigen Unternehmens AVAYA) und eröffnete mit seiner Idee der Vermietung und Wartung von Telefonanlagen ein komplett neues Geschäftsfeld. Harry Fuld starb 1932 und erlebte nicht mehr, wie sehr sein 1935 in „Telefonbau & Normalzeit Lehner & Co“ umbenanntes Unternehmen und seine Mitarbeiter unter den Schikanen der Nationalsozialisten litten.

Fernsprechapparat H Fuld und Co

Peter Fuld lebte seit dem Tod seines Vaters mit seiner Mutter Ida Maria in Frankfurt. Aufgrund seiner jüdischen Wurzeln schickte ihn seine Mutter 1939 aus Angst vor Verfolgung zunächst in die Schweiz, später nach England. Sein Jurastudium an der Universität Cambridge konnte er nicht aufnehmen, da er als deutscher Staatsbürger unmittelbar nach Kriegsbeginn in einem Lager für feindliche Ausländer auf der Insel Man interniert wurde. Im Juni 1940 verlegte man ihn nach Kanada.

Portrait Peter Harry Fuld

Erst nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft 1941 konnte Fuld sein Jurastudium in Toronto aufnehmen und den „Bachelor of Law“ mit Auszeichnung abschließen. Zwischenzeitlich kanadischer Staatsbürger geworden, kehrte Peter Fuld Ende 1945 nach Europa zurück und lebte seitdem in London und Frankfurt. Gemeinsam mit seinem Freund und Anwalt Philip H. Hartley veranlasste er die Übernahme seines Erbes einer Kommanditbeteiligung an der Telefonbau & Normalzeit Lehner & Co.

Peter Fuld erlebte selbst Ausgrenzung und Hass. Die Zeit der Internierung und des Studiums in Toronto war für ihn überschattet von Diskriminierung: Wegen seiner jüdischen Wurzeln väterlicherseits wurde er von deutschen und jüdischen Mitgeflüchteten abgelehnt und als Deutscher von kanadischen Studienkollegen gemieden. Er fand kaum Freunde. Diese erniedrigenden persönlichen Erfahrungen und das Beobachten der Schicksale farbiger Kommilitonen erweckten in Peter Fuld ein besonderes Mitgefühl für diskriminierte Menschen. Sensibilisiert für menschliches Leid, hat er noch zu Lebzeiten im Nachkriegsengland vielen farbigen Geflüchteten geholfen.

Der Jurist erkrankte 1959 an einem inoperablen Hirntumor und starb am
21. März 1962 mit nur 41 Jahren in seiner Geburtsstadt Frankfurt. Fulds testamentarischen Wunsch, sich für diskriminierte und begabte Jugendliche einzusetzen, verwirklichte sein Freund und Weggefährte Philip H. Hartley nach dessen Tod, indem er die selbstständige und gemeinnützige Peter Fuld Stiftung ins Leben rief. Das Stiftungsgeschäft wurde am 21. Mai 1969 beurkundet. Am 6. August 1969 erfolgte die Genehmigung durch den Hessischen Minister des Innern, ab 1972 die Anerkennung als gemeinnützige Körperschaft durch das Finanzamt Frankfurt am Main.